Sonntagmorgen. Eigentlich die Zeit für Filterkaffee und Menschen, die „heute machen wir mal gar nichts“ sagen. Und dann trotzdem den Keller aufräumen.
Oder eben: Zeit für Queen. Auf einem Schulhof. In Onstmettingen.

Dorfleben hat was. Und ist manchmal cooler als jede Großstadtromantik. Da stehen Kinder mit roter Wurst in der Hand, Erwachsene mit einer Weinschorle. Überall dieses „Ach, dich gibt’s ja auch noch!“ und „Wie geht’s eigentlich?“. Man trifft sich nicht, weil es ein Pflichttermin ist. Man trifft sich, weil man sich treffen möchte.
Dann spielt der MVO den Soundtrack dazu.

Nicht verstaubt. Nicht „Blasmusik halt“. Sondern König der Löwen. Klaus Lage. Münchener Freiheit. Queen. Und plötzlich klatschen Menschen an einem Sonntagvormittag auf einem Schulhof im Takt. Als wäre das die selbstverständlichste Sache der Welt. Natürlich. Bella Napoli!
Das Schönste passiert aber fast nebenbei: Die Kleinen stehen neben den Großen. Die Flötengruppe sammelt erste Bühnenerfahrung. Das Jugendorchester zeigt, dass Nachwuchs keine Floskel ist. Und irgendwo zwischen verrutschenden Notenblättern, Applaus und erwachsener Oboenunterstützung entsteht genau das, was Vereine seit Generationen können: Gemeinschaft. Ohne große Worte. Und ganz ohne behördlichen Auftrag.
Das ist der Gegenentwurf zu all den Märchenerzählern, die meinen, Kultur brauche Verwaltungsapparate und Hochglanzbroschüren. Manchmal reicht ein Schulhof. Ein paar Bänke. Menschen, die Lust auf Musik haben. Und jemand, der den ersten Ton spielt.

🎺❤️
Dieser Artikel ist erschien:
am 21.07.2026 in der Schwäbischen Zeitung.