Es gibt in der Kommunalpolitik diesen schönen Widerspruch: Je näher die Menschen an einem Amt dran sind, desto größer wird manchmal die Sehnsucht nach Abstand.
Der digitale Abstand heißt heute: Blockieren.
Ein Klick. Weg ist der Bürger. Weg ist die kritische Stimme. Weg ist der Kommentar, der vielleicht nervt, vielleicht aber auch einen wichtigen Punkt trifft.
Der digitale Abstand heißt: Blockieren.
So scheint es dem Hörensagen nach manche Verwaltungsspitze im Ländle zu halten.
Man könnte sagen: Ein Amtsträger ist natürlich nicht verpflichtet, jeden Kommentar zu mögen. Muss er wirklich nicht. Niemand verlangt Begeisterung für jede Kritik. Demokratie ist schließlich kein Wellnessprogramm mit freundlichen Rückmeldungen und anschließendem gemeinsamen Entspannungsbad.
Aber ein öffentliches Amt ist eben auch kein Privataccount mit privilegierter Mitgliedschaft.
Wer Verantwortung für die Öffentlichkeit trägt, sitzt nicht nur in Sitzungen, hält Reden und darf in (fast) jedes Mikro reden, das so herumliegt. Er, manchmal auch sie, steht mitten im Widerspruch. Im Gegenwind. In der Kritik. Im Zweifel jeden Tag.
Im Widerspruch. Im Gegenwind. In der Kritik.
Dafür gibt es sie schließlich: diese besagte Öffentlichkeit. Darum: Augen auf bei der Berufswahl.
Gerade in einer Stadt, in der über Schulen, Kultur, Sicherheit, Innenstadtentwicklung und die Zukunft von Ortsteilen gestritten wird, gehört Reibung dazu. Manchmal ist sie unangenehm. Manchmal laut. Manchmal nervig. Manchmal auch einfach falsch.
Aber sie ist eben auch ein Zeichen dafür, dass Menschen nicht nur zuschauen. Dass sie sich einmischen. Dass sie eine Meinung haben. Dass ihnen ihre Stadt nicht scheißegal ist.
Die eigentliche Herausforderung moderner Kommunalpolitik ist deshalb nicht nur, Kritik auszuhalten. Sondern auch dann im Gespräch zu bleiben, wenn der Beifall ausbleibt. Gerade in steuernden Spitzenpositionen.
Gut. Zugegeben: Bei manchen „Blau-Herz-Kommentaren“ bewegt man sich vermutlich irgendwo im Grenzbereich zwischen demokratischer Gelassenheit und dem spontanen Wunsch, einen Anwalt anzurufen.
Auch Menschen dürfen bleiben, die gerade nicht klatschen.
Aber zwei Eigenschaften sollte man in der Kommunalpolitik trotzdem immer und unbedingt besitzen: Nicht alles persönlich nehmen. Und eventuell sogar die erstaunliche Grundannahme zulassen, dass der politische Gegner nicht automatisch als Kleinkind auf den Kopf gefallen ist, nur weil er eine andere Meinung hat.
Denn ein Gemeinwesen funktioniert nicht dadurch, dass alle applaudieren. Es funktioniert dadurch, dass auch die Menschen, die gerade nicht klatschen, bleiben dürfen. Und bleiben wollen.
📸: Irgendeine gottverdammte KI