Wieder einmal Samstag. Wieder Markt. Menschen schleppen Tomaten, Käse, Blumen und viel zu große Taschen durch Ebingen. Immer diese Taschen. Drinnen in der Martinskirche: die Marktmusik. Saisonfinale. Die Rensch-Orgel atmet tief ein. Dann Bach. Und plötzlich gewinnt für eine knappe Dreiviertelstunde etwas völlig aus der Mode Gekommenes gegen alles, was blinkt, piepst und ständig Aufmerksamkeit verlangt.
Der Kantorei der Martinskirche gelingt dabei etwas Bemerkenswertes: Sie singt nicht, um Eindruck zu machen. Sie singt, weil Musik größer ist als die Menschen, die sie aufführen. Präzise, transparent, ohne Pathos-Überdosis. Zwischen Renaissance, Barock und zeitgenössischer Kirchenmusik entsteht ein Programm, das keine Stilgrenzen kennt, sondern nur Klangfarben.

Besonders schön: Hier stehen nicht nur erfahrene Musikerinnen und Musiker im Mittelpunkt. Mit Natalia Antonenko und Mika Lehsiak sitzen zwei Orgelschüler an der Rensch-Orgel und zeigen, warum Nachwuchsförderung mehr ist als ein Satz im Jahresbericht. Man hört förmlich, wie musikalische Tradition weitergegeben wird. Nicht als Museum, sondern als lebendige Sprache.
Dr. Steffen Mark Schwarz hält das alles zusammen wie jemand, der genau weiß, wann Musik führen muss und wann sie einfach passieren darf. Keine große Geste. Kein erhobener Zeigefinger. Nur Konzentration. Und diese seltene Sorte Ruhe, die man nicht einfach so herstellen kann.
Und dann geht man wieder hinaus. Der Markt ist immer noch da. Da kauft jemand Kirschen. Ob’s noch Erdbeeren hat? Zu spät, gell?! Irgendwo klimpert Geschirr beim Mahl. Aber für einen Moment klingt alles eben ein kleines bisschen anders.

Marktmusik heißt für mich nicht, die Welt zu verändern, sondern für einen Moment unsere Sicht darauf. Schön, dass ich diesen Albstädter Schatz dieses Jahr für mich bergen durfte.
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