So eine Kneipennacht ist ja was super Spannendes: Ein paar Kneipen, selber Tag und irgendwas Außergewöhnliches passieren lassen. Gestern war wieder so ein Abend. In Albstadt. Ebingen, genauer gesagt. Und schwupps: Die Menschen kommen hoch vom Sofa und in Bewegung. Als hätte jemand im Kulturamt einen roten Knopf gedrückt, auf dem „Gesellschaft“ steht. Spoiler: Diesen Knopf gibt’s da in Albstadt leider nicht.

„Albstadt feiert“ nennt sich die privat organisierte Reihe neuerdings. Und das trifft es ziemlich gut. Von Bar zu Bar, ganz ohne Eintritt, also quasi sozialpolitisch vorbildlich. Und wer danach immer noch nicht genug hat, kann später noch raus ins Tropi, das endlich wieder so heißt, wie es heißen sollte. Womit auch diese Frage der kommunalen Identität fürs Erste geklärt wäre.
Ach, Du auch hier?
Halb Klassentreffen („Ja, lebst Du denn auch noch?“) und halb Seniorenkreis („Nicht die Tochter: das ‚Enkele‘“). Dazwischen Bands, Karaoke, Foodtrucks und DJs. Also alles, was man so braucht für einen gelungenen Abend.
Im Hof bei Jens und Evi. Im Irish Pub, zu dem jede*r immer noch „Trödler“ sagt, obwohl das längst auf keinem Stadtplan mehr so steht. Und bei Alex im übervollen neuen Corso, wo man schnell nicht mehr weiß, ob man gerade noch auf dem Weg zur Bar oder bereits Bestandteil einer größeren gesellschaftlichen Bewegung ist.
Menschen, die man seit Monaten nicht gesehen hat. Menschen, bei denen man sich plötzlich fragt, warum man sich eigentlich nicht viel öfter sieht. Und Menschen, bei denen man nach zwei Minuten auch wieder weiß, warum man sich gerne aus dem Weg geht.
Dazu Leeza, Karaoke und das dritte „Ach, Du auch hier?“. Eigentlich sollte man die Veranstaltungsreihe genau so nennen. Nicht „Albstadt feiert“, sondern: „Du auch hier?“

Eine Stadt sitzt nicht zu Hause.
Eine Stadt sitzt nicht zu Hause. Sie geht raus. Sie trifft sich. Sie stellt fest, dass sie sich kennt. Dass es sie überhaupt noch gibt. Und das ganz ohne bei den Besucherzahlen, natürlich aus versehen, falsch aufrunden zu wollen oder gar zu müssen.
Sind wir mal alle gespannt, was wir morgen darüber lesen.









