Aus der SWP. Pressegespräch zum Albstädter Band-Sommer. Der Oberbürgermeister sagt, man gehöre inzwischen regional zu den „Best Player(n)“. Er ist sogar stolz. „Best Player“. Ein Ausdruck, der klingt, als hätte ihn ein Marketingseminar ausgespuckt. Oder LinkedIn. Wahrscheinlich beides.

Zur Einordnung: Diese Woche waren Anastacia, Calum Scott und Montez in Balingen. Kommende Woche ist das RV Bang mit Größen der internationalen Rock-Szene auf dem Balinger Messegelände über drei volle Tage am Stück. Laut. Zehntausende Menschen, Lederwesten, Pommesgabeln, Bierbecher, Sonnenbrand und vermutlich mehr Gitarrenriffs als in Albstadt in einem ganzen Kulturjahrzehnt gespielt werden. Und ebenfalls seit gefühlt immer haben die Menschen in der Eyachstadt den „Sommer ihres Lebens“. Gottseidank sinds mit dem Auto nur 20 Minuten.

In Mössingen lockt das U&D Jahr für Jahr tausende Menschen an. In Bisingen ebenfalls. Ehrenamtlich gestemmt. Mittlerweile professionell organisiert. Niemand muss dort vorher erzählen, wie bedeutend das alles ist. Man merkt es einfach.

Und in Albstadt gibt es „Heavy Pop mit NIVO“ und „Afro House mit DJ Clasco & DJ Breezy“. Dabei will der langjährige Kulturamtsleiter Martin Roscher im letzten Jahr 12.000 Besucher*innen gezählt haben. Das wirkt sehr ambitioniert. Besucher*innen vieler dieser letztjährigen Veranstaltungen würden ihm vermutlich sagen: Aufrunden geht anders.

Gestern Abend in Balingen: Montez spielt, der Marktplatz atmet nicht mehr ganz so frei, weil er es schlicht nicht mehr kann. Rund 5000 Menschen stehen, kleben, tanzen, schieben sich durch den Sommer. Stimmen überall, Handylichter, Bierbecher, dieses kollektive „wir sind jetzt hier“-Gefühl. Das muss niemand erklären. Da muss niemand sagen: wir sind die Besten. Weil genau so sieht ein voller Abend aus, ganz ohne Blabla, sondern als nüchterne Tatsache mit Bassdrum darunter.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Kultur ist wichtig. Jede Bühne ist besser als keine Bühne. Kultur ist keine Bundesliga, in der jede Kommune um die Champions-League-Plätze kämpfen muss. Auch Coverbands oder DJ-Abende haben selbstverständlich ihre Berechtigung. Selbst Playback-Barden wie die von No Change, die dieses Jahr zum dritten Mal in Folge ihre Leinwand und ihre Bandmaschine beim Band-Sommer anwerfen, müssen sich ihrer Existenz nicht grämen.

Aber irgendwann beginnt man sich zu fragen, warum eigentlich immer alles größer geschwätzt werden muss, als es tatsächlich ist.

Nicht größer reden. Größer werden. Nicht nur in der Kulturarbeit.

Warum aus einer netten Veranstaltungsreihe plötzlich ein regionaler Leuchtturm wird. Warum aus dem Bürgerturm-Platz eine Festivalmetropole. Warum aus Kultur Werbung werden soll und aus Werbung irgendwann dann Selbsthypnose.

„Best Player“.

Man wird kein „Best Player“, weil man sich selbst so nennt. Man wird ein „Best Player“, wenn andere irgendwann anfangen, genau das über einen zu sagen. Ohne Pressegespräch. Ohne PowerPoint. Und dann auch ohne Anführungszeichen.

Balingen muss niemandem erklären, warum Menschen kommen. Mössingen auch nicht. Bisingen ebenfalls nicht. Die Leute kommen einfach.

Vielleicht wäre genau das die eigentliche Aufgabe: Nicht größer reden. Größer werden.

Und das nicht nur in der Kulturarbeit.