In der Zeit zwischen 9.00 Uhr und 23.00 Uhr ist Lachen verboten. Steht da noch nicht. Noch nicht.

Wir befinden uns in der Tailfinger Innenstadt, der neuen Mitte. „Neu“ ist hier so ein Wort, das schon beim Aussprechen leicht müde wird. Viel wurde investiert, um den Markt und die angrenzenden Bereiche mit einem wahren Berg an Pflastersteinen zu versiegeln. Damit hier alles schön ordentlich ist. Sehr ordentlich sogar. Also in der Disziplin, in der Deutschland traditionell stark ist: Fläche dicht machen, Lücken schließen, Emotionen raus. Nicht zwingend ein gastlicher Ort. Ein wuchtiger Teppich aus Granit, der sagt: Hier passiert nichts mehr, hier kann nichts mehr passieren, hier soll auch bitte nichts mehr passieren. Ein Platz, der aussieht wie ein Verwaltungsakt in Steinform.

Vor allem, wenn die Sonne herunterdrückt. Heute wieder 30 Grad. Und das im Schatten. Also theoretisch Schatten. Praktisch eher: Glut. Man könnte jetzt über Klimawandel reden oder über Wetter. Aber ehrlich gesagt: Der Platz ist schneller heiß als jede Debatte.

Sie strahlt, die neue Mitte. Unerträglich heiß. Alleine, verlassen und mit einem Hauch von Tschernobyl. Vielleicht ein neuer Slogan fürs Stadtmarketing?

Hier liegt er also, mitten in der neuen Mitte, als hätte jemand kurz „Oase“ bestellt und dann versehentlich „Minimalismus, sehr hart“ geliefert. Kein Wasser. Kein Schatten. Keine Menschen. Kein Lachen.

Ursprünglich sollte hier der vielgepriesene Wassertisch für Entspannung durch kühles Nass, in das man zur Not auch mal die nackten Füße kühlen kann, sorgen. So ein Ding für ein bisschen „ach guck mal, das ist ja nett hier“. So haben es sich vielleicht die Planer einst gedacht. Nun, der Wassertisch ist da. Halt ohne Wasser. Ein Steintisch also, der früher mal kurz davon geträumt haben könnte, etwas anderes zu sein.

Das Wasser müsse wohl, so hört man, aus Hygienegründen an heißen Tagen abgelassen werden. Stehendes Wasser, das sei schwierig. Bakterien. Risiko. Man kennt das. Andere sagen: Der Wassertisch sei sowieso nie zum Baden gedacht gewesen. Als hätte irgendjemand ernsthaft befürchtet, hier könnte jemand anfangen, glücklich zu sein. Vielleicht lachen. Vielleicht sogar laut. Und das wäre dann natürlich ein Problem.

Man erinnert sich: Ganz am Anfang, kurz nach der Eröffnung der neuen Tailfinger Mitte, da war hier so etwas wie Leben. Kinder, die nicht nur gingen, sondern rannten. Die lachten, plantschten, Bälle irgendwohin warfen, wo niemand Pflastersteine gezählt hat. Kurz: ein Zustand, der heute fast nostalgisch wirkt. Mit diesem leichten Duft von Langnese-Eis, der über allem lag, als wäre das hier vielleicht doch ein Sommer gewesen. Aber das war nur eine Phase.

Heute gilt: Leben bitte dosiert. Wenn überhaupt, dann Freitagmorgen. Marktzeit. Danach wieder bitte runterfahren. Runterdimmen. Runter aus allem, was Geräusch machen könnte. Ein Schelm, wer denkt, dass das Wasser vielleicht genau deshalb weg ist. Sicherheitshalber.

Eine kleine Sammlung kommunaler Zurückhaltung. Platz für weitere Verbote wäre da ja schon noch.

Der einzige Trost: Auf der Alb sind die Sommer kurz. Und die Ideen, sie draußen auszuleben, auch. Bislang jedenfalls ist noch niemand auf die Idee gekommen, auf einem „Eistisch“ Schlittschuh zu laufen. Man muss ja auch nicht alles ausprobieren. Die Planer haben sich vermutlich einfach sehr konsequent aufs Pflastern konzentriert.

Und sowieso: Fröhlich sein kann man in Albstadt, wenn es heiß ist, ja immer noch im heimischen Keller. Auswärtsfreude ist innerstädtisch offenbar nicht vorgesehen.