„Wechselmodell?“, wiederholte der Mann vom Amt, als hätte ich gerade einen eigenen Kernreaktor beantragt. Das Wort für ihn irgendwo zwischen Hexenwerk und französischem Käse. „Das heißt etwa, die Kinder sind nicht bei der Mutter?“

Ja, das Gespräch, das ich damals mit dem Jugendamt führte, ging durch einige Täler. Wie könne man denn meinen, dass ein Mann je dazu in der Lage sei, mit zwei Plagen am Rock- bzw. Jeanszipfel auch noch einen Herd oder gar eine Waschmaschine zu bedienen. „Männer gehören ins Bergwerk.“ Oder zumindest zum Gühring.

Wenn ich weiter zurückschaue – damals, als ich Soziale Arbeit studierte –, hörte ich Ähnliches: „Das ist nur was für Frauen.“ Ein Mann, muss bei der Arbeit schwitzen wie Bruce Willis in Armageddon. Nur ohne Liv Tyler, ohne heroische Musik, ohne irgendwas. Einfach Schwitzen. Bergwerk.

Es ist dieses Neandertalerbild, in dem der Mann ein Wollnashorn erlegt und die Frau Kräuter sortiert. Nur: Laut Wissenschaft war das nie so. Jede und jeder tat, was sie oder er am besten konnte. Da gab es die säbelzahntigerschlitzende Jägerin genauso wie den männlichen Johannisbeerensammler.

Umso glücklicher bin ich, dass diese Vorgaben heute aufgebrochen werden. Das Jugendamt weiß inzwischen, was ein Wechselmodell ist und welche Vorteile es bringen kann. Und ich gehe gern so weit zu sagen: Wir Männer sind die wahren Gewinner der Gleichberechtigung. Jahrzehntelang erzählte man uns, wir müssten uns durch Gesteinsschichten plagen, um Männer zu sein – und jetzt darf ich meinen Söhnen sagen: Jungs, ihr dürft einfach glücklich werden.

Und ich? Ich lernte, eine Waschmaschine zu bedienen. Und das ist, ohne Witz: Freiheit.


Dieser Kommentar erschien:
Am 20.11.2025 in der SÜDWEST PRESSE