Am vergangenen Samstag bot das nur teilweise im Trödelhandel ansässige Juwel wieder einmal einer regionalen Band die Bühne. VanTom & Co, rund um die Ausnahmesängerin Vanessa „Vanny“ Blache, zeigten Rock und Funk vom Feinsten, der seinesgleichen sucht.
Es war am Samstagabend nur die zweitbeste Idee, sein Grillzeug zu schnappen und den sich zur Ruhe legenden, warmen Sommertag in Albstadt outdoor zu feiern. Die eindeutig bessere: das Juwel in Margrethausen zu besuchen. Eine wahre Kostbarkeit in der Albstädter Kulturlandschaft. Ein „Juwel“ halt. Seit mittlerweile rund neun Jahren finden dort unaufgeregte, wirklich vielfältige und – ohne von der Stadt gepampert zu werden – Konzerte statt. Und das nahezu jeden Samstag. Manchmal gute. Manchmal bessere. Und manchmal auch ganz besondere, wie das des Quintetts VanTom & Co. „Wir nehmen uns nicht so wichtig. Wir sind ja nicht das städtische Kulturamt“, bekommt man schelmisch von der Juwel-Crew zu hören.

Ein klein wenig älter als das Juwel ist die gastierende Rottweiler Band. Rund zehn Jahre hat sie mittlerweile auf dem Buckel. Einst entstanden als kleines Duo der bereits erwähnten Sängerin „Vanny“ Blache und des Keyboarders und im Hintergrund wirkenden musikalischen Leiters Tom Braig, wuchs das Projekt schnell auf volle Bandstärke. Aktuell sind dies neben dem filigranen Gitarristen Goran Vojvodic noch der schnörkellose Willi Macht am Bass und der Taktgeber Achim Scheerer am Schlagzeug. Ausnahmslos absolute Könner an ihren jeweiligen musikalischen Arbeitsgeräten. Seither touren die fünf quasi am Stück: jeden Monat ein bis zwei Konzerte, das ganze Jahr über. Vom kleinen Club bis hin zur großen Firmenfeier. „Den Rottweiler Ferienzauber haben wir mit rund 1.200 Menschen auch schon bespielt“, erzählt Vanessa im Gespräch. „Aber wenn ich ehrlich bin, sind mir die kleinen Sachen, bei denen wir ganz nah an den Menschen sein können, lieber.“
„Normalerweise verirren wir uns“, verrät Tom weiter, „ja eher nicht in den Zollernalbkreis.“ Aber die großartige Location, von der musikalische Kolleg*innen weit über Stadt- und Kreisgrenzen hinaus schwärmen, hat die fünf dann doch gereizt. „Oft sitzen die Leute nur da und hören zu. Hier im Juwel sind sie alle schon ab dem ersten Stück am Tanzen. So macht Musik erst richtig Spaß.“ Gottseidank, möchte man feststellen. War die Band bis dato eher nur regionalen Musiknerds ein Begriff, so ist es mittlerweile wirklich höchste Zeit, auch ein breites Publikum hier im Landkreis auf ihr künstlerisches Schaffen aufmerksam zu machen.
Sehr viel Zeug aus den 70ern ist zu hören. Von Funk über Soul bis hin zu Discopop tönt es aus den Lautsprechern. Standards von den Stones und natürlich auch den Beatles. Experimenteller wird’s schon bei den Doobie Brothers. Aber vor allem ein geniales „The Game of Love“, im Original von Carlos Santana, lässt den interessierten Zuhörer bewundernd aufmerken. Und hier sind wir bereits bei der Quintessenz der Band: Neben dem breiten und soliden musikalischen Teppich und der bemerkenswerten Stimme ist es vor allem die Songauswahl und das jeweilige Arrangement, das der Band einen einzigartigen Touch gibt.
VanTom & Co.,
der Name des Quintets setzt sich aus den Vornamen der beiden Gründer*innen Vanessa und Tom zusammen (gesprochen „Phantom“). Das „Co“, das die anderen Bandmitglieder symbolisiert, kam im Laufe der Jahre dazu.
„Valerie“ von der zurecht viel beweinten Amy Winehouse lebt von Lockerheit, Leichtigkeit und persönlicher Interpretation. Wahrhaft meisterlich wird es leicht und jazzy vorgetragen. „So Excited“, „That’s the Way“ und „A Night Like This“ folgen – auch hier kommt das stimmliche Ausnahmetalent der immer noch jungen Sängerin besonders zur Geltung. Man möchte sie den ganzen Abend eigentlich nur Rihanna interpretieren hören.
Auch eine Hommage an die 80er fehlt nicht, unter anderem in Form eines warmen „Ironic“ von Alanis Morissette oder des neu interpretierten Klassikers „Time After Time“ von Cyndi Lauper. Wenn man Letzteres genauer anschaut, fällt auf, dass es mit einer Tonhöhensteigerung – wie so viele andere Interpretationen des Quintetts – verfeinert, aber trotzdem der einmalige finale Vocalschlenker nach oben nicht vergessen wird. Äußerst bemerkenswert!
Während sie in der Pause ein Weißweinschorle bestellt, mit dem sie im weiteren Konzertverlauf immer wieder artistisch jonglieren wird, berichtet die Sängerin, dass die Band mehr als nur ein musikalischer Zusammenschluss sei: „Wir sind alle dicke miteinander befreundet. Wie eine Familie. Und das schon so viele Jahre.“

Irgendwann ist es dann weit nach Mitternacht, als Vanessa die Zugabe ankündigt. Ein zum Heulen schönes „Always Remember Us This Way“ von Lady Gaga wird es werden. Wiederum getragen von einer sanften Gitarre, einmal mehr virtuos gespielt von Goran Vojvodic, und umhüllt von Tom Braigs Keyboard. Andächtig lauscht der ganze Saal des immer noch gut gefüllten Juwels. Man spürt förmlich, wie alle „Nebenhergespräche“ verstummen, um darauf zu achten, wie die Stimme der Sängerin den Refrain – einer Hymne gleich – erst sanft, dann voller Kraft und bedeutungsschwer dem Raum übergibt. Selbst das Pärchen auf den Barhockern nebendran hört auf zu knutschen und schaut bewundernd zu. Schließlich endet das Lied. Das Publikum applaudiert voller begeistertem Respekt, und Vanny dreht sich fast schüchtern zu ihrer Band um und bedeutet ihren Kollegen scheu lächelnd: „Ich hab euch so lieb.“ Das Publikum weiß, dass es mitgemeint ist.
Das nächste öffentliche Konzert von VanTom & Co ist am Sonntag, 29.06.2025, ab 18 Uhr in Königsfeld. Und auch für 2026 ist im Juwel bereits wieder ein Termin gebucht.

Dieser Artikel erschien:
Am 17.06.2025 in der SÜDWEST PRESSE,
am 16.06.2025 in der Schwäbischen Zeitung