Auf 28 mobilen Tafeln mit über 100 historischen Fotografien und Dokumenten entdecken die Besucherinnen und Besucher die Geschichte der Mechanischen Weberei Pausa, die mutigen Bauhausfrauen und die Entwicklungen einer lokalen Textilindustrie, die nicht nur wirtschaftliche, sondern auch gesellschaftliche Impulse setzte.

Am vergangenen Mittwoch wurde in der Alten Synagoge in Hechingen die Ausstellung „Mössinger Moderne“ eröffnet.

Knapp 50 Augenpaare folgen bewegt den Ausführungen von Welf Schröter. Er ist, neben Irene Scherer, einer der Macher der Ausstellung. Er erzählt von der 1911 gegründeten „Mechanischen Weberei Pausa“. Vom Bauhaus. Und von mutigen Frauen, die innovativ und kreativ ihre Gedanken nicht nur in eine Firma, sondern auch in ein neues Gesellschaftsmodell in den 1920er-Jahre einfließen ließen. „Der Generalstreik in Mössingen ist nur ein winziger Ausschnitt dieser Geschichte. Die Entwicklung, wie es ausgerechnet hier im beschaulichen Schwaben dazu kam, ist die eigentliche Story.“

Doch von Anfang an: Lukas Holocher aus Bisingen-Steinhofen führt mit unglaublichem Können am Klavier und einem Stück von Georg Friedrich Händel musikalisch in die Vernissage ein. Gefolgt von einem kurzen Redebeitrag durch Martina Frey, Mitglied im Vorstand der Alten Synagoge: „Obwohl Hechingen ein Zentrum der südwestdeutschen Textilindustrie war, ist die Geschichte der sich fast ausschließlich in jüdischem Besitz befindlichen Hechinger Textilunternehmen und ihrer Bedeutung für den Industrialisierungsprozess und die Stadtentwicklung noch kaum erforscht.“ Anders verhält es sich in Mössingen: Jahrelange Recherchen, Zusammenkünfte und Initiativen wurden dort in einer Wanderausstellung gebündelt. Auf 28 mobilen Tafeln mit weit mehr als 100 Bildern wird das Entstehen der Pausa und der daran Beteiligten dargestellt.

Schröter erzählt von den „mutigen Bauhausfrauen“, die Dinge einfach mal „anders“ probierten: Friedl Dicker, Lisbeth Oestreicher und Ljuba Monastirskaja. Deren Schaffen wirkte sich sowohl auf die Designs als auch auf das Verständnis von Zusammenarbeit und des Zusammenlebens aus. Unterstützt und ermöglicht wurde dieses Klima des Ausprobierens durch die Familie Löwenstein, deren Weberei Pausa zu einem Experimentierfeld für Innovation und Gemeinschaftsdenken wurde – ein auf Wohlwollen basierendes Demokratie-Modell. Dann kamen die Nazis, die Enteignung, die Verfolgung. Demokratie war nicht so deren Ding. Und nach jahrelangem „Vergessen-Wollen“ durch die Nachkriegsverwaltungen schließlich das erwachende Gedächtnis – und die Rückkehr der Nachkommen der Familie Löwenstein.

Die Geschichte der Mössinger Moderne lädt zum Erinnern ein. „In der heutigen Zeit, in der Extremismus immer mehr Raum gewinnt, mehr gegeneinander als miteinander läuft und die Welt täglich schwieriger scheint, ist es ein unsagbarer Schatz, von Vergangenem lernen zu können“, hört man im Besuchergespräch nach dem einstündigen Vortrag. Hechingen und der Zollernalbkreis hören zu.

„Redet über die Verbrechen der Nationalsozialisten und den Widerstand“, bemerkte Harold Livingston, einer der Löwenstein-Nachkommen, einst im Gespräch mit Welf Schröter. „Vergesst dabei aber nicht, wie kreativ und innovativ die vielen Menschen waren, die ein Gegenmodell zur Naziherrschaft entwerfen wollten.“

Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten der Synagoge, sonntags von 14 bis 17 Uhr, zugänglich. Am 26. Oktober und am 2. November findet jeweils um 15 Uhr eine öffentliche Führung durch den Löwenstein-Forschungsverein e.V. statt. Weitere Führungen sind auf Anfrage möglich. Vor allem Schulen sei diese Ausstellung – am besten ab der 9. Klasse – ans Herz gelegt. Die Finissage findet am Donnerstag, 6. November 2025, um 19 Uhr statt. Um Anmeldung unter info@alte-synagoge-hechingen.de wird gebeten.

Welf Schröter, einer der Kuratoren der Ausstellung „Mössinger Moderne“, führt die knapp 50 Besucherinnen und Besucher durch die Geschichte der Familie Löwenstein und die Verbindung zu den Bauhausfrauen.