Es gibt ja diesen Reflex: Kaum ist ein Text draußen, flattert schon die Empörung rein. „Wir wurden schlecht dargestellt!“ – Ach was. Mal das Theater, mal das Kino, zuletzt die Band. Natürlich kann man schreiben, dass jede Gitarrensaite perfekt gezupft war, jeder Ton ins Universum strahlte und die Zugabe? Mindestens Woodstock 2.0. Aber dann müsste man ehrlicherweise auch dazu schreiben: Fantasy Fiction.
Rezension – auch im Lokalen – ist keine Kuschelzone. „Band heizte ein“, „gute Stimmung im Publikum“ und „lecker Bierchen mit Schnitzel“. Gähn – fast so aufregend wie Warteschlangen vorm Supermarkt. Kulturkritik ist kein PR-Flyer, kein Fanklub-Newsletter. Sie ist die Kunst, hinzusehen, zuzuhören, einzuordnen. Wer auf einer Bühne steht, der spielt nicht nur Akkorde, der spielt auch mit Erwartungen. Und die darf man enttäuschen. Aber man muss dann eben auch aushalten, dass jemand das einsortiert und aufschreibt.
Ich bin unbestechlich. Und nein, das ist kein großes Wort, das ist in dem Fall nur mein Job. Auch zu unterscheiden: Handelt es sich um eine Schülerband, die zum ersten Mal Lampenfieber gegen Verstärker tauscht? Oder ein professionelles Ensemble, dass sich „von und zu“ nennt, und ordentliche Gagen einstreicht.
Natürlich: Auch Kritikerinnen und Kritiker irren mal, übersehen Details, loben zu laut oder verreißen zu scharf. Aber eins bleibt: Ehrlichkeit. Ich schreibe nicht fürs Pressearchiv, sondern für die Leserinnen und Leser. Wer nur im Applaus baden will, muss sich dafür seine Fangruppe organisieren. Und wenn sich jemand gekränkt fühlt: vielleicht einfach besser sein. Oder man gründet halt eine Tribute-Band für Kritiker: „The Unbesprechables“. Eintritt frei, Applaus garantiert. Aber bitte nicht beschweren, wenn ich auch das wieder aufschreibe.
Dieser Kommetar erschien:
Am 27.08.2025 in der SÜDWEST PRESSE