Warum ich Geschenke nur noch in Zeitungspapier verpacke – und was das mit Kindern, Schleifen und dem Glauben an die Zukunft zu tun hat.

Belächelt werde ich. Seit Jahren. Jahrzehnten. Gehöre ich doch zu den Menschen, die nie Geld in Geschenkpapier, Schleifchen oder Sternchen investieren. Nie wieder. Das haben meine Kinder aus mir gemacht.

Jahr für Jahr, zu jedem Fest, saßen wir Eltern zusammen. Wählten geschenktypisches Papier aus, wickelten es in mühevollster Kleinarbeit ums Präsent, klebten, zogen Ecken straff, hielten den Hilfsdaumen für den zweiten Knoten der Schleife exakt im richtigen Winkel. Rotes Flammenpapier fürs Feuerwehrauto, feuerorangenes Bändchen – für den Fünfjährigen.

Und der Fünfjährige? Der Inbegriff von Neugier und Zerstörungswut in einem. Ein Blick – zack – das Kunstwerk: Geschichte. Zerrissen, zerknüllt, zertreten.

Gottseidank hatten wir – wie bei besonders gelungenem Essen – vorher ein Foto vom Gabentisch gemacht. Fotos, die heute niemand mehr anschaut. Nicht mal ich.

Deshalb bin ich längst dazu übergegangen, Geschenke nur noch in Zeitungspapier zu verpacken. Und ja – ich unterscheide. Nicht jede*r bekommt die Süddeutsche. Nicht jede*r verdient die Zeit. Die Südwest Presse? Eine Auszeichnung. Es soll schon vorgekommen sein, dass ich für ein lästiges Pflichtgeschenk extra ein Machwerk des Springerverlags besorgt habe. Second Hand, versteht sich.

Ein kleiner Spaß, den ich mir selbst mache – und über den ich mich tierisch freue, wenn ich ertappt werde. Und wenn dann jemand sagt: „Der Fokus? Wirklich?“ – dann strahle ich innerlich. Dann weiß ich: Es hat gewirkt.

Vergangene Woche hatte meine wunderbare, jetzt einjährige Wahl-Nichte Geburtstag. Es wurde die Zeit. Eine Ausgabe, die ich eigens hierfür – im wahrsten Sinne – auf die Seite gelegt hatte. Der Artikel: „Unsere Zukunft – das wird gut.“

Ich meine: Komm schon. Wenn das kein Geschenk ist, dann weiß ich auch nicht.


Dieser Kommentar erschien:
Am 11.08.2025 in der SÜDWEST PRESSE