Am vergangenen Samstag öffnete das Top10 in Balingen nach einem Jahr der geschlossenen Tristesse endlich wieder seine Türen, um Feiernde zu empfangen. Und es sollte voll werden. Sehr voll.

Folgt man dem deutschen Lyriker und Gegenwartsphilosophen Danger Dan, dann gibt es für uns zwei Nachrichten – eine gute und eine schlechte. Die Schlechte deutet auf das Enden allen Seins und aller Dinge hin. Die Gute hingegen lautet: heute nicht. Heute darf noch gefeiert werden. Was böte sich hierfür besser an als das wiedereröffnete Top10 in Balingen, das bei Älteren immer noch als „Treffpunkt“ irgendwo im Hippocampus gespeichert ist.

Es ist fast wie früher: Die Schlangen am Einlass sind lang, die Securityleute nicht „wichtig“, sondern einfach nett, und der Laden knalle voll. „Versucht es gegen 1 Uhr wieder, aktuell darf ich euch echt nicht reinlassen, wenn ihr kein Vorverkaufsticket habt. Es tut mir echt leid.“

Sofort stellt man sich die Frage, wieso die Türen vor rund einem Jahr, am 31.05., geschlossen wurden. „Nach Corona ist das Geschäft schwieriger geworden und das Ausgehverhalten der Menschen hat sich massiv verändert“, erzählt der einstige Top-10-Chef Dirk Bamberger. „Und außerdem bin ich ja auch nicht mehr der Jüngste.“ Was man dem 60-Jährigen weder ansieht noch anmerkt. Bamberger ist mittlerweile nur noch Vermieter. Sein ehemaliger Angestellter Dominik Dilger hat das Geschäft übernommen – vom Tellerwäscher zum Clubbesitzer. „Später, nicht böse sein“, hört man aus dessen Mund auf die Frage nach einem Statement. Ist der sympathische F&B-Manager doch am Eröffnungsabend quasi immer an 15 Orten gleichzeitig.

Für rund 1.800 Menschen ist der weit über die Grenzen des Landkreises bekannte Tanztempel zugelassen. Diese sind wohl auch alle da. Den Altersschnitt am Abend möchte man bei 23, 24 ansetzen. In drei ineinanderlaufenden, aber thematisch getrennten Aufenthaltsbereichen (Fachkundigen geht hier das Wort „Floor“ locker über die Lippen) wird getanzt, sich gefreut, gebondet, gefeiert und einfach gelebt. Betrachtet man das Publikum, ist das einst schon erfolgreiche Konzept des lauten Musikhörens gemeinsam mit Freunden eindeutig ungebrochen. Mag das im Partyfloor laufende „Macarena“ manche zur Flucht nach unten in den Hauptbereich anregen, wird man dort von einem universell gültigen „Insomnia“ von Faithless empfangen – die Stelle ab Minute 2:18 vom DJ brillant in die Unendlichkeit verlängert. Eben dieser sitzt im Top10 nicht einem Pfarrer gleich auf einer Kanzel, sondern mitten in der feiernden Masse. „God is a DJ“. Und Gott ist mitten unter uns.

Eher spezialisiert geht es auf dem dritten Floor zur Sache: harte Hip-Hop-Beats. Ein Rapper, der schnell plappernd sein Problem mit der staatlichen Exekutive schildert, und alle Hände gehen nach oben. Alle.

Man ist ständig in Bewegung im Top10. Wird Doechiis auditiv beschriebene Angst von belanglosem französischen Trance abgelöst, zieht man einfach weiter und wird entweder oben wohlig von einem mit klaren Beats hinterlegten „Mambo No. 5“ empfangen oder kann wieder unten bei den Rappern auf einen Eminem hoffen. So vergehen Stunden, die sich wie Minuten anfühlen.

Der Schutz der zumeist jungen Besucherinnen und Besucher ist dem Top10 ein Anliegen. In Sachen Drogen wird eine Null-Toleranz-Politik gefahren, und auch „Awareness“ ist den Machern wichtig. Durch den jahrelangen Betrieb hat man hier viel Erfahrung und immer ein offenes Auge. Rund 50 Mitarbeitende sorgen sich am Abend um die zahlreichen Gäste. Von der freundlichen Kassiererin am Einlass über die fleißigen Pizzabäcker, die jeden noch so „großen Hunger“ erfolgreich bekämpfen, bis hin zum Garderobenmann, der freudestrahlend schildert, dass der Job für ihn neu sei, er sich einfach neben seiner Ausbildung ein paar Euro dazuverdienen möchte und er gar nicht wisse, was ihn glücklicher macht: das großartige Team der Mitarbeitenden oder die vielen fröhlichen Besucherinnen und Besucher. Vielleicht wird gerade er dann in 30, 40 Jahren die Geschäfte von Dominik Dilger übernehmen. Wer weiß? Wir werden berichten.

Aktuell hat man vor, den Laden zwei Mal im Monat zu öffnen und besondere Events anzubieten. Die Ü30-Party sei hier ein erfolgreiches Konzept, das man bereits am 14.06. neu aufrollen wolle. Und je nachdem, wie es läuft, ist auch ein regelmäßigerer Betrieb nicht ausgeschlossen.

Zu junger Kultur gehören neben Sport, Vereinen, Kunst und Konzerten auch Bars und eben das sogenannte „Clubbing“. Das Top10 kann hier schon eindeutig als sehr wichtige Bereicherung in der Kulturlandschaft von Balingen und dem gesamten Landkreis gesehen werden. Man möchte dem Top10-Team, das sein gesamtes Herzblut in diesen Club zu stecken scheint, deshalb nicht uneigennützig viel Erfolg und noch viel mehr durchtanzte Nächte wünschen.