Das Ebinger Kammerorchester unter der Leitung von Martin Künstner brachte am vergangenen Samstag nicht nur mit der Filmmusik von Harry Potter einen Hauch von Magie in den Albstädter Tunnel. Foto: Peter Demmer
Ein Konzert mit klassischer Instrumentierung war am vergangenen Samstag im Albstädter Tunnel zu hören. Das Konzert war seit langem ausverkauft, und die mehr als 500 Stühle waren durchweg mit begeisterten Besucherinnen und Besuchern besetzt.
Möchte man einen perfekten Samstagabend verbringen, benötigt man nicht viel: Je nach Gusto vielleicht einen Prosecco oder auch eine Cola Zero. Dann benötigt man nur noch einen temporär stillgelegten Verkehrstunnel mit rund 600 Metern Länge und ein lokales, äußerst filigranes Kammerorchester, das sich ob des Volumens Unterstützung bei der Württembergischen Philharmonie in Reutlingen holen kann. Vielleicht noch ein paar Hände voll ehrenamtlicher Helfer, ein paar Sponsoren und jede Menge Idealismus. Und zu guter Letzt einen Veranstalter – in diesem Fall das großartige Team von BE SAVE rund um die Albstädter Macher Martin Braun und Markus Ringle –, der uneingeschränkt mit viel Liebe zum Detail besondere Kultur in Albstadt präsentiert.
Eingeleitet mit launigen, oberbürgermeisterlichen Worten, der schmunzelnd zu Protokoll gab, man müsse die Tage diskutieren, ob der Ebinger Tunnel nicht vielleicht das aktuelle Albstädter Hallendilemma entschärfen könnte, begann ein wirklich großer Abend, äußerst charmant moderiert von der bezaubernden und vor allem fachkundigen Dr. Julia Berghoff.


Man hatte sich Filmklassiker zuerst ins Aufgabenheft und dann ins Programm geschrieben. Unter der famosen Leitung von Martin Künstner kamen eben diese auch auf die vollbesetzte Bühne und in die Albstädter Tunnelröhre.
Es gibt Untersuchungen, in denen festgestellt wurde, dass rund 20 % aller bekannten klassischen Stücke der Menschheitsgeschichte von Bach, Beethoven und Mozart komponiert wurden. Mit Filmmusik verhält es sich fast noch zugespitzter: Dort sind es John Williams (Star Wars, Harry Potter …), Hans Zimmer (Fluch der Karibik, Interstellar …) und Ennio Morricone (Spiel mir das Lied vom Tod, Gabriel’s Oboe), die als „unumgänglich“ gehandelt werden. Bis auf Bach sollten an diesem Abend alle ihren Platz und ihr Gehör auch in der Tunnelröhre finden.
Jedes gespielte Stück hatte einen filmischen Bezug und erzeugte sein eigenes Gefühl. Durch die besondere Akustik des Tunnels und die visuellen Gegebenheiten des ausgeleuchteten Albstädter „Undergrounds“ war das Konzerterleben ganzheitlich und eindrücklich. Zum Beispiel Ludwig van Beethovens 7. Sinfonie, die sich im Film „The King’s Speech“ findet und sich mit tiefer Dramatik schwer in die Zuhörenden setzt, wird durch die Umgebung – eine enge Betonröhre unterhalb der Erde – massiv verstärkt. Ein Gefühl, das man mitnimmt. Oder auch die magisch anmutende Suite aus Harry Potter, die einem die vor Jahren gesehenen Abenteuer wieder in Erinnerung ruft. Expelliarmus!
Ein absoluter Höhepunkt war das herausfordernde, dröhnende „Duel of the Fates“ aus der dritten Star-Wars-Episode. Der im Film zu hörende Chor wurde bereits vom Komponisten alternativ durch Blechbläser ersetzt.
Und als beim sanften „Gabriel’s Oboe“ von der gegenüberliegenden Tunnelseite ein zur Not eilendes Martinshorn eines Krankenwagens zu hören war, war das Stück von Ennio Morricone die livegewordene Hoffnung, dass auch alles gut werden möge – dort am anderen Ende des Tunnels.
Das gesamte Ensemble, die musikalische Leitung wie auch die Solisten Sibylle Kistermann (Violine), Adam Abarzumjan (Klarinette) und Dennis Jäckel (Oboe) hatten sichtlich Spaß auf der Bühne. Dies mündete in wahre Begeisterungsstürme des Publikums, viele „Da Capo“-Rufe und schlussendlich drei Zugaben.

