Benefizkonzert mit vielen Gästen
Mit 700 Karten war die Ebinger Martinskirche am vergangenen Sonntag komplett ausverkauft.
Bereits zum siebten Mal fand am vergangenen Sonntagabend ein Benefizkonzert der Band „Südlich von Stuttgart“ rund um den Albstädter Musiker und als Urgestein anzusehenden Christian Baumgärtner statt. Viele musikalische Gäste bereicherten das künstlerisch sehr ambitionierte Musikereignis.
Sie war proppenvoll, die Martinskirche im Herzen von Ebingen. 700 Tickets waren schnell verkauft, als das Konzert angekündigt wurde. Man hätte sicherlich noch mehr Karten unter das Volk gebracht, wäre man nicht an das gegebene Fassungsvermögen des Gotteshauses gebunden. Es war schon auffällig zu erkennen, dass die Besucherschaft mittlerweile eindeutig der Adoleszenz entwachsen und eher der Lebensmitte, bei manchen der Rente, als dem Erwerb eines Führerscheins entgegensieht. Umso mehr begeisterte es, dass eben dieses Publikum sich auf den breiten Spagat eines „Crossovers“ einließ und damit quasi die Jugendlichkeit im Herzen trug. Crossover meint hierbei einen breiten Mix aus klassischen Standards, gemischt mit Popstücken, sich an Jazzanleihen bedienend, die bis hin in den Blues und Soul reichen.
Fünf Musiker umfasst der Stamm von „Südlich von Stuttgart“: die wunderbare Annette Kienzle (Gesang), der filigrane Ralf Gugel (Gitarre, Gesang), die stabilen Johannes Killinger (Bass) und Jan Reinelt (Keyboards) und last but not least der Bandleader Christian Baumgärtner (Schlagzeug, Gesang). Sie gelten seit Jahren als Aushängeschild der lokalen Musikszene. Man muss sein Erwartungsmanagement schon im Zaum halten, weiß man doch bei einem Besuch eines der Konzerte von „Südlich“, dass man es ausnahmslos mit musikalischen Profis und nicht mit vor sich hinschrammelnden Hobbymusikern auf einer Dorfhocketse zu tun hat. Jeder Ton, jedes Arpeggio, jedes Break und jeder Fill ist geplant, geübt und genau in der Form und an dem Fleck, an dem man es haben möchte. Vorgetragen mit einer lässigen Leichtigkeit, die echtes „Können“ proklamiert. Wollte man ein Metronom eichen, würde man es zu einem Konzert der Fünf mitnehmen.
Damit nicht genug: Es wurde eine ganze Wagenladung mit weiteren, professionellen und überregional bekannten Musikern zu dem Konzert hinzugezogen. Neben dem einzigartigen, fröhlichen und hauseigenen Kantor Dr. Steffen Mark Schwarz, der seine Fähigkeiten hoch oben auf der Empore auf der Rensch-Orgel zeigte, standen Philipp Römer am Horn, Klaus Wagenleiter am Piano, Herbert Wachter an den Percussions und Christoph Beck an der Flöte, dem Saxofon und der „goldenen Klarinette“ mit auf der Bühne. Abgerundet wurde dieses sehr breite Ensemble durch Natalie Karl und Matthias Klink. Bei beiden letzteren konnte einmal mehr ins Bewusstsein gerückt werden, wie präzise das individuelle Instrument „Stimme“ sein kann, wenn man es nur bedarfsgerecht und höchstprofessionell bedient.
Nach einem kurzen Intro und hinweisenden Worten trat Matthias Klink alleine, nur mit einer Gitarre unter dem Arm, auf die Bühne und meinte, er, der klassisch ausgebildeter Tenor sei, wolle zu Beginn der gemeinsamen Reise zusammen mit dem Publikum einen Blues singen. Dies gelang fulminant. Der Auftakt war gemacht und bereitete dem eigentlichen Gastgeber des Abends, Christian Baumgärtner, der sich fortan um sämtliche Präsentationen und Ankündigungen kümmerte, die Bühne. Eloquent, ohne breitbeinig aufdringlich sein zu wollen, sondern vielmehr mit dem verschmitzten Charme eines Musik-Nerds, nahm er das Publikum mit in einen Abend der künstlerischen Vielseitigkeit. „Es seien nicht nur Albstädter, sondern auch Menschen aus Winterlingen und sogar aus Bitz da“, meinte er schmunzelnd. „Damit ist der Vielfalt heute keine Grenze gesetzt.“
Und als dann kurze Zeit später „Fool (If You Think It’s Over)“ von Chris Rea angestimmt wurde, war bis in die letzte Reihe und die höchste Empore der Martinskirche zu spüren, dass die hohen Erwartungen an die Protagonisten an diesem Abend sogar noch übererfüllt werden würden.




Ein pures Horn-Solo, geschrieben von Georg Philipp Telemann, fand dabei eben solchen Raum wie eine Variante von „Penny Lane“ der damals durchaus auch klassisch begabten Beatles. Vor allem das Moment des Unerwarteten zog dabei die geneigten Zuhörenden und Zuschauenden in den Bann. Das visuell projizierte, abgefilmte Wechselspiel zwischen klassischer „Orgelempore“ und der modernen Bühne vor dem Altar sorgte für mehr als nur überraschende und begeisternde Augenblicke. Gab man sich in einem Moment dem durchaus poppigen „Mary’s Prayer“ hin, erlebte man im nächsten Moment ein „Allegro Spiritoso“ für Orgel und Horn. Als dann nach kurzer Pause zu breiten Live-Orgelklängen programmiertes Laserlicht durch die Kirche über Minuten feuerte, war das freudige Erstaunen der Zuschauerinnen und Zuschauer förmlich greifbar. Ab diesem Moment jagte ein Höhepunkt den nächsten. Ob das mit Inbrunst vorgetragene und zu Begeisterungsstürmen verlockende Hauptstück aus der Oper „La Traviata“ oder auch das hinreißend piafsche „Hymne A L’Amour“: die Leichtigkeit der Arrangements trug sowohl Musiker, Vocalisten als auch das Publikum durch das Konzert.
Besonders sei hier auf das interpretierte Stück „Pamela“ der Band Toto hingewiesen, das den Charakter von „Südlich von Stuttgart“ nebst deren Gästen wohl am besten beschreibt. Toto besteht seit Jahren aus unglaublichen Studiomusikern, denen zuvorderst die Musik und nicht sie selbst als „Stars“ wichtig ist. „Ein perfekter Ton ist wichtiger, als nach einem Konzert erkannt zu werden“, wird die Band zitiert. Das könnten auch die Protagonisten in der Martinskirche, wie es scheint, gesagt haben.
Nach zweieinhalb Stunden fand der Abend mit einem eindrücklichen und bleibenden „Scarborough Fair“, das die Stimmen von Annette Kienzle und Natalie Karl in perfekter Harmonie glänzen ließ und durch das tragende Horn eine unglaubliche Tiefe bekam, ein Ende. Beim Verlassen des Veranstaltungsorts lag dem einen oder der anderen die Melodie buchstäblich noch auf den Lippen.
Es war eine Veranstaltung voll unerwarteter Höhepunkte. Technisch begleitet wurde das Konzert vom einheimischen Mischpultmagier Uwe Sessler und dem Lichttechniker Konstantin Greger von SLAM. Die Einnahmen kommen sowohl dem Erhalt der Kirche als auch dem Albstädter „Club Handicap“ zugute. Für nächstes Jahr gibt es noch keine konkreten Planungen, ist von Thorsten Rach, dem ersten Vorsitzenden des Ebinger Kirchengemeinderats und verantwortlichen Veranstalter, zu hören. „Wir sind aber bereits in Gesprächen, um die mittlerweile als gute Tradition zu sehende Veranstaltung fortsetzen zu können.“

Dieser Artikel erschien:
Am 08.04.2025 im Schwarzwälder Boten