Jede Stimme zählte bei der ersten Vollversammlung an Albstadts beruflichem Schulzentrum, der Walther Groz Schule.
Am vergangenen Mittwoch, kurz vor 10 Uhr, strömten wahre Massen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in die Kreissporthalle nahe dem beruflichen Schulzentrum in Albstadt. Mehr als 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen zur ersten „Schüler*innen-Vollversammlung“ der Walther-Groz-Schule in Ebingen.
Zwei Schulstunden sollte sie schließlich dauern, und es sollte auch trotz regnerischen Wetters auf der kalten Alb wahrlich heiß diskutiert werden: standen doch das Thema „rauchfreie Schule“ und ein „Sommeraktivtag“ auf der Tagesordnung zur Abstimmung.
Begonnen und ihren Ursprung hatte diese Versammlung allerdings eigentlich schon vor über einem halben Jahr. Damals tagten die Klassensprecherinnen und Klassensprecher samt deren Stellvertretern zum ersten Mal im Albstädter Kulturm. Dieser ungewöhnliche Tagungsort brachte neben der Wahl der Verbindungslehrerinnen und der Schülersprecherin auch viel Kreativität zu Tage. Die Schülermitverantwortung (SMV) schrieb sich dort unter anderem die Idee einer Vollversammlung aller Schülerinnen und Schüler ins Aufgabenheft. Man wolle durch die Teilhabe aller das Demokratieverständnis stärken und zum Ausdruck bringen, dass jede einzelne Stimme an der „WGS“ Beachtung findet und gehört wird. Bei Hans-Jörg Fink, dem Schulleiter des beruflichen Schulzentrums, traf man mit der Idee, auch in der Schule mehr Demokratie wagen zu wollen, auf offene Ohren und vorbehaltlose Unterstützung.
Unter der Mithilfe der Verbindungslehrkräfte Leandra Berghammer, Jennifer Kehrer und Annemarie Mayer bereitete das interne SMV-Komitee die Vollversammlung vor. Man wolle jeden zu Wort kommen lassen und für breites Engagement werben, hieß es aus dem Vorbereitungsgremium. Dies ist, wie man nun nach der Versammlungsdurchführung feststellen kann, positiv und ohne Einschränkung gelungen.
Nach einer kurzen Einführung stand bereits der erste zu diskutierende Punkt auf der Tagesordnung: Immer wieder gab es in der Vergangenheit die Überlegung, ob die aktuell rauchfreie Schule einen Raucherbereich einführen sollte. Dieser wurde lebhaft, kontrovers, aber nichtsdestotrotz äußerst fair und transparent diskutiert. Die Meinungen reichten von einer „Totaldiskriminierung der Raucher“ bis hin zu „vorsätzlicher Umweltverschmutzung“. In der folgenden Abstimmung war ein Votum pro rauchfreie Schule eindeutig zu erkennen. Nur rund ein Fünftel der Schülerinnen und Schüler stimmten für einen Raucherbereich.
Dem folgend wurde der sogenannte „Sommeraktivtag“ diskutiert. Ein Projekt, das bereits eine lange Tradition an der Walther-Groz-Schule hat. Am Ende des Schuljahres wird ein Schultag dafür verwendet, lehrplanfremde Angebote anbieten und wahrnehmen zu können. Das Spektrum reicht hier vom „Paper & Pencil“-Spiel bis hin zu sportlichen Angeboten und geführten Wanderungen. Die Organisation dieses Tages ist immens aufwendig und wurde in den letzten Jahren hauptsächlich von Lehrkräften sehr engagiert organisiert. Erschwerend kommt hinzu, dass die bis dato abrufbaren Fördermittel in Zukunft nicht mehr zur Verfügung stehen werden und folglich die Zuzahlung zu den einzelnen Angeboten für jeden Teilnehmerin teurer wird. Von vielen Schülerinnen und Schülern wurde hervorgehoben, wie wichtig es ist, auch über den Tellerrand hinauszuschauen und eben solche Angebote wenigstens an einem Tag im Schuljahr weiter beizubehalten. Fast einstimmig wurde beschlossen, dass es auch weiterhin einen Sommeraktivtag geben soll.
Damit endete die erste Vollversammlung. Auf Nachfrage waren sich Schüler*innen einig, dass es großartig ist, endlich auch mal selbst gefragt zu werden und mitbestimmen zu können. „Es ist was anderes, ob wir etwas selbst beschließen oder ob es uns einfach vorgegeben wird“, war zu hören. Auch die Verbindungslehrerinnen zeigen sich mit dieser ersten Vollversammlung mehr als zufrieden. „Es ist unsere pädagogische Aufgabe, Demokratie und deren Spielregeln zu erklären. Damit gehen Rechte aber auch eine große Verantwortung einher. Die Zeichen der Zeit zeigen, dass eben Letztere nicht früh genug eingeübt werden können.“
Auf diese erste Vollversammlung sollen weitere folgen, und auch weiterhin soll eine breit gestützte, demokratische Teilhabe aller Schülerinnen und Schüler an dem beruflichen Schulzentrum in Albstadt gewährleistet werden. Gerade wegen solcher Projekte darf sich die Schule auch weiterhin die Stempel „modern“ und „zeitgemäß“ geben.